„Read me like a Book“ -Liz Kessler

Autorin: Liz Kessler | Verlag: Indigo | Seiten: 296 | Veröffentlichung: 14.05.15

Inhalt


Ashleigh Walker is having a difficult year. She’s struggling at school, and coming home to parents who are on the verge of divorce. She knows she should be happy spending time with her boyfriend – but, for some reason, being around him just makes her worry more. It’s only in her English teacher, Miss Murray, that she feels she’s found a kindred spirit.

Miss Murray helps Ashleigh develop her writing skills and gives her newfound confidence – but what happens when boundaries begin to blur? What will the repercussions be for Ashleigh? And how will she navigate her own sexuality?


 Vorwort

Das Schöne am rezensieren ist, dass man sich mit dem Buch eingehender befasst als man es sonst machen würde. In diesem Fall ist das ein besonders interessanter Fakt, da es politisch wird.

Zuvor aber Folgendes: Das Buch stammt aus der Sparte LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender). In diesem Fall speziell mit der sexuellen Orientierung zum gleichen Geschlecht. Wer sich jetzt fragt, warum das so besonders und interessant sein soll – ist der Markt mit Diversity doch heutzutage gut bestückt (immer noch zaghaft, sage ich) – der bekommt einen Keks, weil er Recht hat. Dieses Buch wurde jedoch bereits 1999/2001 geschrieben. Es herrschten andere Zeiten. In Großbritannien gab es ein Gesetz (Section 28), dass die Förderung von Homosexualität27911715 an Schulen und öffentlichen Einrichtungen verbot und zur Folge hatte, dass Homosexualität negativ ausgelegt wurde. Die Autorin fand für ihr Buch entsprechend keinen Verlag, welcher dieses veröffentlichen wollte. So geschah es, dass Read me like a Book für viele Jahre in den Schrank verschwand.

Für gut 15 Jahre. Dann geschah vieles auf einmal. Die Autorin, Liz Kessler, heiratete. Eine Frau. Homosexualität wurde präsenter denn je. Mit sowohl negativen als auch positiven Schlagzeilen. Liz Kessler startete noch einen Versuch und schickte ihr Buch an ihren Verlag. Die Antwort kam schnell. Es sollte nicht nur publiziert werden, sondern das ganze Team bekundete sogar seine Unterstützung. Es sollte voller Enthusiasmus in die Welt geschrien werden.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf, liest sich das Buch anders. Persönlicher. Wie aus dem Leben der 17-jährigen Liz Kessler gegriffen.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich mag es, wenn Bücher eine Geschichte erzählen. Und damit meine ich nicht die geschriebene Geschichte an sich, sondern die Entstehung. Die Beweggründe und Erfahrungen, die der/die Autor/in hatte, um sein Werk zu schreiben.

Auch auf die Gefahr hin, dass sich das hier keiner mehr durchlesen wird, weil das Vorwort schon so lang geworden ist, möchte ich dennoch ein paar Worte zum Buchinhalt loswerden.


Meine Meinung

Als erstes Young Adult Buch der Autorin und mit diesem heiklen Thema, wurde über das Buch vor zwei Jahren zu Release heiß diskutiert. Mich wundert es sehr, dass es bisher noch kein deutscher Verlag in sein Programm aufgenommen hat. Es kann nicht an den Fähigkeiten der Autorin liegen – sie kann mit anderen YA-Autoren alle mal mithalten.

Ash ist ein wundervoller Charakter! In ihr stecken so viele Emotionen. Sie ist sehr komplex und man hat das Gefühl man kenne sie schon bevor sie sich überhaupt selbst kennt. Ihre Beziehung mit Dylan funktioniert für Ash nicht. Auch ihr aufkeimendes Interesse an ihre Lehrerin Miss Murray ergibt für sie keinen Sinn. Dass sie sich zu einer Frau hingezogen fühlt, steht für sie völlig außer Frage. Die Erkenntnis über ihre sexuelle Orientierung wirkt dabei so real, dass man einfach mitfiebern muss. Ich habe mich sogar dabei erwischt, wie mein Herz in einem völlig abstrusen Takt tanzte, als Ash sich ihren Eltern geoutet hat. Zwischendurch wollte ich sie aber auch schlagen. Bei all ihrem Stress hat sie vergessen sich auch mal der Probleme ihrer Freunde zu widmen und auch das musste sie einpendeln.

Und nebenbei passiert in der Geschichte noch so viel mehr. Das erste Mal als Teenager (ebenfalls eine Sache über die zu selten gesprochen wird), die Probleme in der Schule, die Scheidung der Eltern, schwierige Freundschaften – die volle Bandbreite. Ich denke, dass Ash stellvertretend für viele 16/17-jährige Mädchen heutzutage ist. Es ist ein Alter, das von Grund auf schon schwierig ist, weil man plötzlich ins Leben geworfen wird und Entscheidungen treffen muss – wie der berufliche Werdegang – ohne die Tragweite abschätzen zu können, aufgrund mangelnder Lebenserfahrung. Außerdem fängt man an Eltern und Lehrer auch als Menschen zu sehen, mit eigenen Gefühlen und Problemen.

Man merkt eventuell, dass mich die Geschichte schon etwas mitgenommen hat (und das spricht meiner Meinung nach für die Autorin). Trotz alledem muss ich sagen, dass ich erst recht spät – vielleicht nach einem Drittel – voll angekommen bin in der Geschichte. Ich kann nicht genau sagen, woran es gelegen hat.


Fazit

Ein ereignisreiches Jahr im Leben der Ashleigh Walker, mit vielen Tiefs aber auch Hochs. Ich hatte meine Probleme in die Geschichte zu kommen. Als der Moment aber vorüber ging, war ich voll dabei und zum Ende auch von niemanden mehr ansprechbar. Die Geschichte über Ash’s Coming out ist eine emotionale Schlittenfahrt. Immer bergab, dann Stillstand und zum Schluss ein High-Five und eine heiße Schokolade mit den Freunden. Auf jeden Fall eine Empfehlung!

bewertung4


Andere Eindrücke

Ich habe keine deutschen Rezensionen gefunden. Falls jemand was hat oder sieht, gern bescheid geben.

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